München 72

Vergessene Olympiaorte

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Auf der Theresienhöhe fanden während der Olympischen Spiele 1972 die Wettkämpfe in den Sportarten Judo, Ringen, Gewichtheben und Fechten statt. Heute kann man davon nichts mehr erahnen.

Nachhaltigkeit spielte bei der Auswahl und Errichtung der olympischen Bauten eine zentrale Rolle. Vielfach griff man auf bereits bestehende Sportstätten zurück oder plante bei neu errichteten Gebäuden die spätere Nutzung schon im Vorfeld mit. An manchen Orten entschlossen sich die Organisatoren allerdings auch für den Aufbau temporärer Anlagen für die Dauer der Spiele.

Auf der Theresienhöhe wurden die Ausstellungshallen des damaligen Messegeländes für die Wettkämpfe umgebaut. In den noch vorhandenen Gebäuden befindet sich heute das Verkehrszentrum des Deutschen Museums. Für die Sportarten Ringen und Judo wurde an der Ganghoferstraße eine neue Halle errichtet. Heute ist der gesamte Westrand des alten Messegeländes mit Bürogebäuden überbaut.

Fotografie einer Multifunktionshalle von außen
Außenansicht der nach den Plänen von Peter Lanz zwischen 1970 und 1972 errichteten Ringer- und Judohalle auf der Theresienhöhe.
Sigrid Neubert, Fotografie, um 1971, Architekturmuseum der TUM

Fotografie einer vollbesetzenden Multifunktionshalle
Innenansicht der Ringer- und Judohalle auf der Theresienhöhe während der Olympische Spiele 1972 in München.
Sigrid Neubert, Fotografie, 1972, Architekturmuseum der TUM
Fotografie einer Baustelle
Ansicht der Baustelle der Ringer- und Judohalle auf der Theresienhöhe mit Messehalle im Hintergrund.
Olympia-Baugesellschaft GmbH, Fotografie, 1971, Architekturmuseum der TUM

Das südliche Areal, auf denen sich die Hallen für Fechten, Judo und Ringen befanden, ist einem Teil des Quartiers Theresienhöhe gewichen. Das Wohnviertel entstand, nachdem der Messebetrieb 1998 in die neuen Messehallen in München-Riem umgezogen war.

 

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Peter Lanz ist Architekt und prägt seit den 1970er-Jahren durch zahlreiche Bauprojekte die Architektur Münchens. 1972 wurde er beauftragt, für die Olympischen Spiele eine Judo- und Ringerhalle sowie das Olympiarestaurant Süd zu planen und umzusetzen. 2010 erhielt er von der Landeshauptstadt München die Auszeichnung „München leuchtet“ für seine besonderen Verdienste auf dem Gebiet der Architektur in München.

Der Geisterbahnhof „Olympiastadion“

Nordwestlich an den Olympiapark angrenzend, zwischen dem TUM Campus im Olympiapark und dem Olympiaeinkaufszentrum befindet sich der stillgelegte Bahnhof „Olympiastadion“.

Fotografie von einem zweigleisigen Bahnhof, der von Gestrüpp überwuchert ist
Der 1988 stillgelegte Bahnhof „Olympiastadion“ steht als Teil des Olympiaparks unter Denkmalschutz.
Florian Peljak, Fotografie, 2014, Florian Peljak/Süddeutsche Zeitung Photo

Die Haltestelle war für die Spiele 1972 auf einer ehemaligen Güterbahntrasse errichtet worden und diente als zusätzlicher Anreiseweg zum Stadion. Sie sollte das übrige U- und S-Bahnnetz entlasten und helfen, den Besucheransturm zu bewältigen.

Schwarz-Weiß-Fotografie eines Bahnhofs mit vielen Passagieren und zwei Zügen.
Ankunft von Ehrengästen am neu eröffneten Bahnhof „Olympiastadion“.
Rudi Dix, Fotografie, 1972, Rudi Dix/Stadtarchiv München (FS-NL-RD-0116SII32)

Unmittelbar nach den Spielen war die Station nicht mehr in das reguläre S-Bahn-Netz eingebunden und wurde nur noch für Fußballspiele im Olympiastadion angefahren. Der Bahnhof und der dazugehörige Schienenabschnitt wurden 1988 endgültig stillgelegt. Als Teil des Ensembles Olympiapark steht die Anlage heute unter Denkmalschutz.

Das Olympiarestaurant Süd

Das Olympiarestaurant Süd wurde bereits unmittelbar nach den Olympischen Spielen wieder abgerissen. Es war von Beginn an als temporärer Bau geplant und wurde in nur zwei Jahren von 1970 bis 1972 realisiert.

Es befand sich zwischen dem Olympiastadion und dem U-Bahnhof im Olympiapark. Bis zu 5.000 Personen fasste das als modernes Bierzelt geplante Bauwerk. Die Innengestaltung orientierte sich stilistisch an der zeitgenössischen Pop Art.

Fotografie eines modernen Gebäudes
Außenansicht des nach den Plänen von Architekt Peter Lanz entworfenen und nach den Spielen wieder abgerissenen „Olympiarestaurant Süd“.
Sigrid Neubert, Fotografie, 1972, Architekturmuseum der TUM
Schwarz-Weiß-Fotografie von einem modernen Restaurant
Innenansicht des „Olympiarestaurant Süd“, das durch sein modernes und offenes Design auffiel.
Sigrid Neubert, Fotografie, 1972, Architekturmuseum der TUM

Das durchsichtige und leicht wirkende Dach sowie die frei unter der Decke verlaufenden Rohre stellten einen Bezug zur zukunftsweisenden Zeltdachkonstruktion des Olympiastadions her.

  • Im Westen des Olympiaparks befand sich das eigens für die Olympischen Spiele 1972 erbaute Radstadion.

    Das Radstadion bot etwa 5.000 Zuschauer*innen Platz. Bahn und Ränge waren überdacht, der Innenraum war nach oben hin offen.

    Ende 2014 beschloss die Stadt München, an dieser Stelle eine neue Multifunktionshalle für Eishockey und Basketball errichten zu lassen, die voraussichtlich Ende 2023 eröffnet wird. Das Radstadion wurde 2015 abgerissen.

    Fotografie des Olympiaparks München aus der Vogelperspektive, zu erkennen ist der Fernsehturm sowie zwei Stadien.
    Blick auf das Radstadion (l.u.) im Olympiapark.
    Karl Schillinger, Fotografie, um 1980, Karl Schillinger/Süddeutsche Zeitung Photo
    Fotografie eines Stadions aus der Innenansicht
    Blick in das Radstadion mit dem im Hintergrund aufragenden Olympiaturm.
    Joachim Kankel, Fotografie, 1972, Bayerische Staatsbibliothek München/Bildarchiv/Joachim Kankel
  • Die Wettbewerbe im Springreiten und in der Reitsportdisziplin Military fanden 1972 im Reitstadion Riem statt. Nach den Olympischen Spielen sollte das Gelände weiterhin für Pferdesport, aber auch für andere Veranstaltungen wie etwa Konzerte genutzt werden.

    Bereits 1982 wurde die Haupttribüne durch einen Sturm baufällig, weshalb große Pferdesport-Veranstaltungen nicht mehr möglich waren. Ihr Abriss erfolgte 2008. Seit 2012 sind auch Konzerte aus Sicherheitsgründen untersagt. Kleine Pferdesport-Veranstaltungen finden dort nach wie vor statt.

    Schwarz-Weiß-Fotografie eines Stadions aus dem Blickwinkel der Tribüne
    Spärlich besetzte Ränge während eines Reitwettbewerbes der Olympischen Spiele im Reitstadion in Riem.
    Unbekannt, Fotografie, 1972, Stadtarchiv München (DE-1992-FS-ERG-P-0071-M)
    Fotografie von einem vollbesetzenden Stadion aus der Innenansicht
    Blick von der überdachten Haupttribüne in das Reitstadion Riem.
    Unbekannt, Fotografie, 1972, IMAGO/Pressefoto Baumann
  • Für die Olympischen Spiele 1972 in München wurden viele der benötigten Wettkampfstätten neu errichtet. Dafür bot sich das im Norden Münchens liegende Oberwiesenfeld an, auf dessen Areal genug Platz für den Bau von Sportstätten und Wohnbauten für die Athlet*innen vorhanden war.

    Trotzdem mussten viele Sportarten auch an anderen Orten ausgetragen werden. Dem Motto „Spiele der kurzen Wege“ entsprechend, wurden die meisten Sportwettbewerbe zwar in München ausgetragen, manche hingegen fanden sogar in anderen Städten statt.

    Karte des Olympiaparks München
    Plan des Olympiaparks in München.
    Städtisches Vermessungsamt München, Plan, 1972, Münchner Stadtmuseum
Fotografie von einem großen Stadion, im Vordergrund befindet sich ein See.
Das Olympiastadion im Olympiapark
Das Olympiastadion ist das Herzstück der olympischen Bauten in München.
Es diente zu den Olympischen Spielen als Repräsentationsbau und beeindruckt bis heute durch seine moderne Architektur. Im Stadion fanden neben Leichtathletik, Modernem Fünfkampf, Fußball und Reitsport auch die Eröffnungs- und die Abschlussfeier statt.
Gerd Stephan, Fotografie, 2010, Gerd Stephan