München 72

"Internationales Folklorefestival"

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Im Rahmen des Kulturprogramms der Olympischen Spiele fand im Circus-Krone-Bau das Internationale Folklorefestival statt. Ensembles aus elf verschiedenen Nationen traten zwischen dem 14. August und 10. September 1972 in dem dafür als besonders geeignet befundenen Rundbau auf.

Neben dem Festival im Kronebau gab es täglich kostenfreie Folklore-Aufführungen auf dem Marienplatz und andernorts. Das Programm sollte zu der angestrebten „Völkerverständigung“ beitragen.

Schwarz-Weiß-Fotografie einer Gruppe Menschen, die vor Publikum im Reigen tanzt
Blick vom Rathaus über den Marienplatz während einer Folklore-Aufführung.
Rudi Dix, Fotografie, 1972, Stadtarchiv München (FS-NL-RD-006004)

Die Organisation des Festivals wurde an ein Berliner Veranstaltungsbüro übertragen. Das Organisationskomitee behielt sich jedoch ein „Auswahlrecht“ bezüglich der Künstler*innen vor. Das Programm wurde im Vergleich zu den Veranstaltungen, die zur klassischen „Hochkultur“ zählten, lediglich mit einem schmalen Budget ausgestattet. Zwar reisten für die Vorführungen ausschließlich professionelle Künstler*innen an, diese erhielten jedoch keine Gage sondern lediglich Unterkunft, Verpflegung und ein Taschengeld.

Bereits vor den Spielen äußerten sich kritische Stimmen zu dem Programm. In den Darbietungen der Volksgruppen sah man ein Vorführen der Akteur*innen. Die Aufführungen würden eher gängige Stereotype bedienen, als dass sie einen Beitrag zur angestrebten Völkerverständigung leisteten.

Neben dem Festival gliederte sich das Folkloreprogramm in zwei weitere Programmpunkte: „Vita Bavarica“ widmete sich dem Bayerischen Brauchtum und unter dem Titel „Mozarts Verwandte in Stadt und Land“ fanden Kammermusikabende statt.

Plakat in weiß, blau, grün und gelb mit drei Tänzerinnen.
Ankündigungsplakat für das „Internationale Folklore Festival“. Die Künstler*innen aus elf Nationen präsentierten ihr Folklore-Programm jeweils an mehreren Abenden hintereinander im Circus Krone Bau.
Unbekannt, Plakat, 1972, Münchner Stadtmuseum/IOC
Plakat in verschiedenen Blautönen mit Tänzerinnen
Ankündigungsplakat für eine Veranstaltung des „Mexikanischen Folklore Baletts“ im Rahmen des Internationalen Folklorefestivals. Mexiko-Stadt war vor München Austragungsort der Olympischen Spiele 1968, wo bereits ein Folklorefestival veranstaltet wurde.
Anibal Angulo (Foto), Juan Ramon Arana (Entwurf), Plakat, 1972, Münchner Stadtmuseum/IOC

„Vita Bavarica“ und „Mozarts Verwandte in Stadt und Land“

In enger Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Rundfunk und dem damaligen „Institut für Volkskunde“ der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität wurde dem Bayerischen Brauchtum eine eigene Veranstaltungsreihe gewidmet. „Vita Bavarica – ein bayerischer Bilderbogen“ fand an sieben Tagen im Deutschen Museum sowie am Austragungsort des Kanuwettbewerbs in Augsburg statt. Die Moderation erfolgte in drei Sprachen.

Die Aufführungen stellten einen „bayerischen Jahreszyklus“ vor und wurden von Laiengruppen aus ganz Bayern bestritten. Dabei wurden die im Ausland bereits bestehenden Vorstellungen und Bilder von Bayern bedient.

Mit dem Musikprogramm „Mozarts Verwandte in Stadt und Land“ versuchte man, „Kammermusik“ und „Volksmusik“ einander anzunähern. Das Volksmusik-Ensemble von Toni Goth arbeitete zu diesem Zweck mit der Hochschule für Musik in München zusammen. Die Konzerte fanden an drei Abenden in den Räumlichkeiten der Hochschule statt.

Alle Vorführungen unter dem Thema „Folklore“ sollten Münchens und Bayerns Kulturlandschaft als vielfältig und weltoffen präsentieren. Gezielt wurden sie als Werbemittel für Stadt und Region eingesetzt.

Plakat in blau, grün und orange mit zwei Tanzpaaren
Ankündigung der Veranstaltungsreihe „Vita Bavarica“ im Kongresssaal des Deutschen Museums.
Otl Aicher und Team, Plakat, 1972, Münchner Stadtmuseum/IOC
Plakat in gelb, orange und grün mit einer Perchtenmaske
Auf dem Plakat sind alle drei Veranstaltungsblöcke aufgeführt, die unter dem Thema „Folklore“ angeboten wurden: das „Internationale Folklore Festival“, „Vita Bavarica“ und „Mozarts Verwandte in Stadt und Land“.
Otl Aicher und Team, Plakat, 1972, Münchner Stadtmuseum/IOC