München 72

Die "Edition Olympia"

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Bereits in der Antike waren Sport und Kunst bei den Olympischen Spielen eng miteinander verknüpft. Auch Pierre de Coubertin, der Begründer der neuzeitlichen Olympischen Spiele, strebte eine solche Verbindung im Sinne einer ganzheitlichen Bildung von Körper und Geist an.

Schwarz-Weiß-Porträt eines Mannes
Der Begründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, Baron Pierre de Coubertin.
Unbekannt, Fotografie, 1936, Scherl/Süddeutsche Zeitung Photo

Vor diesem Hintergrund war 1969 auf Anregung von Willi Daume, dem Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees für Deutschland, die Idee der Kunstplakatserie "Edition Olympia" entstanden. Mit dieser Plakatreihe erhielt die beabsichtigte enge Verbindung von Sport und Kunst bei den Spielen in München ihren ersten sichtbaren Auftritt.

Schwarz-Weiß-Fotografie von zwei Männern die vor einem Mikrofon stehen.
NOK-Präsident Willi Daume (links) eröffnet zusammen mit IOC-Präsident Avery Brundage die Olympischen Sommerspiele in München 1972.
Sven Simon, Fotografie, 26.8.1972, Sven Simon/Süddeutsche Zeitung Photo

Zur Umsetzung beauftragten die Organisatoren mehrere internationale Künstler damit, Motive zu entwerfen. Insgesamt 28 Kunstschaffende aus elf Nationen beteiligten sich an dieser völlig neuen Aktion im Rahmen der Olympischen Spiele.

Bei der Auswahl der Künstler wurde Wert darauf gelegt, dass etablierte und avantgardistische Kunstrichtungen wie Expressionismus, Surrealismus, Neuer Realismus, Pop-Art und Op-Art gleichermaßen vertreten waren. Mit ihren bunten und fantasievollen Motiven unterstrichen sie bildhaft das Konzept der "heiteren Spiele".

Buntes Plakat mit abstraktem Gemälde, zu erkennen sind unteranderen Füße, Kopf, Auge und Ziffern.
Motiv "Kopffüßler" aus der Kunstplakatserie "Edition Olympia".
Horst Antes, Plakat, 1970, Münchner Stadtmuseum/IOC
Plakat eines gezeichneten Menschen der kopfüber in das blaue Wasser springt.
Mann bei Kopfsprung ins Wasser aus der Kunstplakatserie "Edition Olympia".
David Hockney, Plakat, 1971, Münchner Stadtmuseum/IOC

Bereits im Vorfeld von Olympia '72 sollte die Plakatserie weltweit und publikumswirksam die sportliche Großveranstaltung in München bewerben. Eigens für die Durchführung und Verwertung dieser Kunstserie gründete das Olympische Komitee zusammen mit dem Verlag F. Bruckmann KG in München die Gesellschaft "Edition Olympia 1972 GmbH".

Die Kunstplakatserie "Edition Olympia",
Deutschlandspiegel 1972

"Künstlerische Assoziationen plakativer Wirkung"

Die 28-teilige Kunstplakatserie wurde in den Jahren 1969 bis 1972 in drei verschiedenen Auflagen vom Verlag F. Bruckmann KG in München vertrieben. Die hochwertigste Auflage bestand aus 200 handsignierten und nummerierten Originalgrafiken pro Motiv. Die zweite auf 4.000 Stück limitierte Auflage war für den Kunsthandel bestimmt. In unbegrenzter Massenauflage erfolgte schließlich der Verkauf von Reproduktionen der Originalgrafiken auf Plakatpapier.

Kunstplakatserie "Edition Olympia", 1. Teilserie 1969

Abbildung eines Plakates
Plakate aus der Kunstplakatserie "Edition Olympia", 1. Teilserie 1969, Münchner Stadtmuseum/IOC
Hans Hartung (Deutschland), Oskar Kokoschka (Österreich), Charles Lapicque (Frankreich), Jan Lenica (Polen), Marino Marini (Italien), Serge Poliakoff (UdSSR), Fritz Winter (Deutschland)

Kunstplakatserie "Edition Olympia", 2. Teilserie 1970

Buntes Plakat mit abstraktem Gemälde, zu erkennen sind unteranderen Füße, Kopf, Auge und Ziffern.
Motiv "Kopffüßler" aus der Kunstplakatserie "Edition Olympia".
Horst Antes, Plakat, 1970, Münchner Stadtmuseum/IOC

Kunstplakatserie "Edition Olympia", 3. Teilserie 1971

Abbildung eines Plakates
Plakate aus der Kunstplakatserie "Edition Olympia", 3. Teilserie 1971, Münchner Stadtmuseum/IOC
Josef Albers (Deutschland), Otmar Alt (Deutschland), Allan D’Arcangelo (USA), Max Bill (Schweiz), David Hockney (England), Ronald Brooks Kitaj (USA), Tom Wesselmann (USA)

Kunstplakatserie "Edition Olympia", 4. Teilserie 1972

Abbildung eines Plakates
Plakate aus der Kunstplakatserie "Edition Olympia", 4. Teilserie 1972, Münchner Stadtmuseum/IOC
Valerio Adami (Italien), Alan Davie (Schottland), Friedensreich Hundertwasser (Österreich), Jacob Lawrence (USA), Peter Phillips (England), Richard Smith (England), Paul Wunderlich (Deutschland)

Den Künstlern wurden bei der Gestaltung keinerlei inhaltliche Vorgaben gemacht. Zwar war eine thematische Verbindung zum Sport oder den Olympischen Spielen in München gewünscht, aber nicht zwingend gefordert.

Im März 1969 präsentierte Willi Daume auf einer Pressekonferenz die erste Teilserie mit sieben Plakaten der Öffentlichkeit. Dabei beschrieb er die Plakatmotive unverbindlich als "künstlerische Assoziationen plakativer Wirkung".

Oskar Kokoschka, der die Serie mit einer Darstellung des griechischen Kouros eröffnete, löste eine Flut von Beschwerdebriefen an das Münchner Rathaus aus. In der Presse wurde sein Kouros als "Schreibtischgeschädigte[r] mit Haltungsfehler" verunglimpft.

Schwarz-Weiß-Fotografie von zwei Männer neben einem Plakat auf einer Staffelei.
Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Willi Daume (links) und der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees Avery Brundage (Mitte) präsentieren das Plakat von Oskar Kokoschka aus der Kunstplakatserie "Edition Olympia".
Unbekannt, Fotografie, 1969, IMAGO/WEREK
Plakat eines skizzierten Menschen in verschiedenen Farbtönen
Darstellung des griechischen Kouros aus der Kunstplakatserie "Edition Olympia".
Oskar Kokoschka, Plakat, 1969, Münchner Stadtmuseum/IOC

Trotz der Kritik und des unverhüllten Spotts fanden alle drei Auflagen der "Edition Olympia" bereits nach kurzer Zeit ihre Käufer*innen. Mit den Einnahmen aus dem Verkauf wurde die weltweite Verteilung der von Otl Aicher und seinem Team entworfenen Sportplakatserie finanziert